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Donnerstag, 27. November 2014

[Rezension] Im freien Fall - Oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte

Autorin: Jessica Park
Seiten: 384
Genre: Romance. Jugendbuch, Drama
Preis: 17,95 Euro (HC), HIER kaufen

Julie kann es nicht fassen: Statt die ersten Tage am College zu genießen, beaufsichtigt sie plötzlich eine 13-Jährige, die keinen Schritt ohne die lebensgroße Pappfigur ihres Bruders Finn unternimmt. Zugegeben, ihres sehr gut aussehenden Bruders Finn. Der befindet sich zwar gerade auf Weltreise, schreibt aber E-Mails, die Julies Knie butterweich werden lassen. Doch wieso zögert er seine Rückkehr immer weiter hinaus? Weshalb stört sich niemand an seinem platt gedrückten Doppelgänger? Und verliebt Julie sich tatsächlich gerade in eine Pappfigur?


Lieblingszitat

"Sind wir bald da? Ich habe Hunger!", beschwerte sich Matt. "Ich muss mal. Mir ist langweilig. Wie lange dauert es noch? Kommt, wir spielen Ich sehe was, was du nicht siehst ... Oh Moment mal. Ich kann ja gar nicht. Man hat mir die Augen verbunden. Das ist mit Abstand der schlimmste Ausflug, den ich je gemacht habe!" 

Meinung

Cover, Titel und Klappentext sind Aushängeschilder für ein Buch und deuten normalerweise in die Richtung, in die eine Geschichte sich bewegt. Manchmal sind sie aber auch eine Illusion - und das, was kommt, ist vollkommen anders. Diese Überraschung kann positiv sein. Sie kann negativ sein. Und manchmal hinterlässt sie den Leser mit einem merkwürdigen Gefühl, so wie es bei mir und "Im Freien Fall" so war.
Als ich das Buch das erste mal auf Amazon sah, dachte ich an eine süße Teen-Romance, die mir zwischen den ganzen Fantasy-SciFi-Büchern eine willkommene Abwechslung sein sollte.
Der Anfang beginnt schleppend. Man lernt Julie kennen und die Familie, bei der sie die nächsten Wochen verbringen soll. Gerade ihre erste Zeit auf dem College fand ich eher etwas langweilig und schleppend. Richtig in Fahrt kommt die Story erst, als Julie und Fynn anfangen, sich ein paar sehr süße Nachrichten zu schreiben - und sich schließlich ineinander verlieben. Seufz
Die ganze Zeit saß ich also vor dem Buch und habe mich darauf gefreut, dass Fynn endlich von seiner Weltreise zurückkommt und sie ihre Liebelei aufs richtige Leben verlagern können. Doch dann kommt eine sehr unangenehme Sache ans Licht, die dem abrupt ein Ende setzt.
Ich will euch nicht spoilern, auch wenn das hier echt schwer ist. Also ganz grob: Es tritt ein Drama ein, eine kleine Geschichte aus der Vergangenheit. Auch wenn es mir schon ein paar Seiten vor der Enthüllung langsam klar wurde, hat es mich doch ganz schön getroffen. Ja, seit langem saß ich mal wieder vor einem Buch und habe geheult wie ein Schlosshund.
An sich finde ich es gut, wenn ein Buch solche Gefühle in mir erzeugen kann. Aber mit so einem schrecklichen Gefühl will ich nicht aus der Geschichte entlassen werden. Ich will nicht ein Buch zuklappen und ein drückendes, trauriges Gefühl auf der Brust sitzen haben. Aber auch das Ende, so süß es auch war, konnte leider nichts daran ändern. Ich konnte mich nur in das nächste Buch stürzen, um dieses hier so schnell wie möglich zu vergessen.

Charaktere

Die Charaktere waren gut ausgearbeitet und sehr präsent. Trotzdem wollte mir keiner von ihnen wirklich ans Herz wachsen, keiner war mir total sympathisch.
Während der süßen E-Mails mochte ich Fynn wirklich gern. Und ich glaube, ich mag ihn auch jetzt, nach dem schrecklichen Ende, immer noch. Aber das ist schwer zu sagen. Wenn ihr wissen wollt, was ich meine, müsst ihr wohl das Buch lesen, denn jede weitere Information würde euch zu sehr spoilern.

Fazit

"Im freien Fall" beginnt als Teen-Story, entpuppt sich aber als ein kleines Familiendrama. Wem sowas gefällt, der sollte dringend zuschlagen. Ich wurde von dem Ende irgendwie überrumpelt und hätte mir für die Geschichte zwischen Julie und Fynn ein anderes Ende gewünscht. Schade, das Buch ist wirklich nicht schlecht, aber aufgrund meiner Erwartungen und dem schlechten Gefühl, mit dem ich hier sitze, kann ich ihm nur zwei Federn geben.